Mein letzter Eintrag klingt bitter. Was mein Beziehungsleben angeht bin ich das auch momentan ein wenig.
Aber es gibt ja nicht nur das.
In meinem kurzen aber intensiven Urlaub habe ich viele interessante und schöne Begegnungen gehabt. Nebenbei bemerkt werden in Esoteriker-Kreisen solche Formulierungen von "intensiven Begegnungen" manchmal verschleiernd verwendet anstelle von "wir haben eine heiße Nacht zusammen verbracht".
Aber ich bin ja keine Esoterikerin ![]()
Im Flutlicht II
Sehr interessant und aufwühlend waren die Tage bei der (großteils polyamor lebenden) Gemeinschaft, die ich hier schon erwähnt habe. Es war tatsächlich Flutlicht-Atmosphäre, zum Beispiel durfte ich bei ihrem wöchtenlichen Treffen dabei sein, bei dem eine Dreierbeziehung Thema war. Das ging ganz schön ans Eingemachte für die Beteiligten.
Auch ich setzte mich während der Tage dem Flutlich aus und war erstaunt, was da alles so beleuchtet wurde: eine ganze handvoll Dinge, die ich sonst höchstens mal einzeln aus dem Augenwinkel kurz wahrgenommen und dann wieder verdrängt hatte.
Ich fühlte mich dennoch dort wohl, war beeindruckt von dem Umgang der dort herrschte. Von so Kleinigkeiten wie echtem Interesse und Anteilnahme daran wie es dem anderen geht. Und: das sind in meinen Augen angenehm normale Leute.
Naja, soweit man eben 'normal' sein kann wenn man polyamor und mit einem guten Dutzend anderen Menschen mehrerer Generationen zusammenlebt.
Dreigestirn
Ich traf mich mit vielen lieben Menschen in den letzten Tagen. Zum Beispiel mit meinen Basler Freunden, die mir ein tolles Buch empfahlen (das ich auch gleich an Ort und Stelle zur Hälfte verschlungen habe): "Dreigestirn" von Marion Laval-Jeantet. Ein autobiografischer Roman einer französischen Künstlerin die zwei Männer liebt, mit ihnen eheähnlich zusammenlebt und und von beiden je ein Kind hat. Sehr beeindruckend und interessant, wenn sie die Reaktionen des Umfelds beschreibt, oder wie die beiden Männer sich als Brüder und gemeinsame Väter der Kinder verstehen (und das u.a. bei Hebammen und Ärzten für Verwirrung sorgt). Aber auch Krisen werden nicht ausgespart. Was sie über ihr künstlerisches Schaffen schreibt fand ich hochinteressant. Moderne und zeitgenössische Kunst interessiert mich schon seit Jahren, und so Blicke hinter die Kulissen finde ich wahnsinnig spannend.
Ich wollte mir das Buch im Original besorgen (um die noch fehlende Hälfte zu lesen) und musste feststellen, dass es gar nicht auf französisch erschienen ist. Merkwürdig.
Öffnung und Klarheit
Ich traf auch Daniel und konnte mit ihm unsere Trennung nochmal besprechen, nicht aber die schwierigen Monate davor aufarbeiten.
Zwei Freundinnen war ich froh mal wieder nach einigen Monaten zu sehen auch wenn es ihnen gerade nicht gut geht.
Eine andere Frau kann ich wohl nun als eine liebe Freundin betrachten, so sehr öffnete sich mir. Ich staune noch immer über diesen Prozess.
Anscheinend habe ich irgendwas an mir, dass sich Menschen mir relativ leicht öffnen und anvertrauen.
Alles in allem ein Urlaub, der mir viel Klarheit verschaffte. Unter anderem die, dass ich meinen Fokus in nächster Zeit nicht auf Beziehungsgeschichten legen will sondern auf andere Bereiche in meinem Leben, die ich etwas vernachlässigt habe. Und auf Freundschaften.


